Deutsche Druckfarbenverordnung (GIO) erklärt:
Was Hersteller und Lieferanten von Lebensmittelverpackungen wissen müssen

Gregg T. Starr, Senior Regulatory Specialist, Videojet
Daniel W. Laird, Principal Applications Chemist, Global Escalations
Ink, legislation, traceability

Was ist die Deutsche Druckfarbenverordnung?
Die Deutsche Druckfarbenverordnung (GIO) ist eine Vorschrift, die verlangt, dass Druckfarben und Tinten, die auf Lebensmittelkontaktmaterialien (Food Contact Materials, FCMs) in Deutschland verwendet werden, mit einer Positivliste zugelassener Substanzen übereinstimmen müssen. Ihr Hauptziel ist es, die Migration schädlicher Chemikalien in Lebensmittel zu verhindern und so die Gesundheit der Verbraucher zu schützen.
Die 21. Verordnung zur Änderung der Bedarfsgegenständeverordnung legt strenge Vorschriften für Druckfarben und Tinten auf Lebensmittelverpackungen fest. Die GIO trat am 1. Januar 2022 in Kraft und sollte ursprünglich nach einer vierjährigen Übergangsfrist ab dem 1. Januar 2026 vollständig umgesetzt werden. Am 19. Dezember jedoch genehmigte der deutsche Bundesrat einen Entwurf zur Änderung der 21. Verordnung zur Änderung der Bedarfsgegenständeverordnung. Dadurch wurde die Übergangsfrist der GIO um ein Jahr verlängert – vom 31. Dezember 2025 auf den 31. Dezember 2026.3 Sie zielt darauf ab, schädliche Chemikalien daran zu hindern, von der Verpackung in Lebensmittel überzugehen, die Sicherheit der Verbraucher zu erhöhen und die Transparenz in der gesamten Verpackungslieferkette zu verbessern. Die GIO umfasst eine zugelassene „Positivliste“ von Substanzen, die auf ihre Sicherheit geprüft wurden und nicht als krebserregend, erbgutverändernd oder reproduktionstoxisch bekannt sind.1, 2
Wer muss die Verordnung einhalten?
Alle Unternehmen, die verpackte Lebensmittel nach Deutschland liefern oder dort produzieren – unabhängig von ihrem Standort – müssen die Verordnung bis 2027 einhalten.

Was sind die größten Herausforderungen für Hersteller von verpackten Lebensmitteln?
Die Positivliste ist begrenzt, was die Formulierung von Druckfarben und Tinten erschwert. Unternehmen der Lebensmittelverpackungsbranche müssen Dokumentationen bereitstellen, Migrationstests durchführen und eine vollständige Rückverfolgbarkeit der in den Verpackungsmaterialien verwendeten Inhaltsstoffe gewährleisten. Die Positivliste wird regelmäßig aktualisiert, sobald neue Substanzen zur Bewertung der Lebensmittelsicherheit eingereicht werden.
„Die Positivliste der GIO ist bewusst streng, was bedeutet, dass Lieferanten von Druckfarben und Tinten schnell innovieren und gründlich dokumentieren müssen, um sicherzustellen, dass jede Zutat die erforderlichen Sicherheits- und Migrationsstandards erfüllt.“
Gibt es Ausnahmen von der Verordnung?
Ja. Lebensmittelkontaktmaterialien mit effektiven funktionalen Barrieren, die eine Migration von Druckfarbe verhindern, sind von der Verordnung ausgenommen. Allerdings betrachten viele Unternehmen ihre Verpackungen nicht als funktionale Barriere.
Warum ist die Deutsche Druckfarbenverordnung für Lebensmittelverpackungen wichtig?
Die GIO betrifft direkt Lebensmittelhersteller und Verpackungslieferanten, die in Deutschland tätig sind, verpackte Lebensmittel nach Deutschland importieren oder bedruckte Verpackungen an deutsche Einrichtungen liefern. Diese Hersteller und Lieferanten müssen sicherstellen, dass jede Lebensmittelverpackung, sowohl auf der Lebensmittelkontaktseite als auch auf der Nichtlebensmittelkontaktseite, den neuen regulatorischen Anforderungen entspricht.
Um die Konformität der von ihnen verkauften verpackten Lebensmittel nachzuweisen, können Lebensmittelhersteller und Lieferanten folgende Nachweise verlangen:
- Konformitätserklärungen (Declarations of Compliance, DoC)
- Technische Datenblätter (Technical Data Sheets, TDS) für FCMs (Food Contact Materials = Lebensmittelkontaktmaterialien)
- Durchführung von Migrationstests, wenn erforderlich, um die Konzentrationen von Bestandteilen der Druckfarben und Tinten zu dokumentieren, die in ihre Produkte migrieren.
„Im Rahmen der GIO geht es nicht nur um die Druckfarbe und Tinte selbst, sondern darum, nachzuweisen, was darin enthalten ist, wie sie sich verhält und jede Charge von der Formulierung bis zur Endverpackung rückverfolgbar zu machen.“

Best-Practice-Checkliste für Hersteller und Lieferanten von Lebensmittelverpackungen
| Anforderung/Herausforderung | Best Practice / Handlungsschritte | Wichtige Details/Anmerkungen |
| 1. Einhaltung der Positivlisten | Verwenden Sie nur Substanzen (Monomere, Zusatzstoffe, Farbstoffe, Lösungsmittel, Photoinitiatoren), die in der GIO-Positivliste für Lebensmittelverpackungsdruckfarben aufgeführt sind. | Für nicht gelistete Substanzen weisen Sie eine Migration von ≤ 0,01 mg/kg nach. Aktualisieren Sie die Formulierungen entsprechend der Weiterentwicklung der Liste. |
| 2. Migrationstests und Risikobewertung | Führen Sie Migrationstests durch. Wenn Migration nicht ausgeschlossen werden kann: – Befolgen Sie die EuPIA-Richtlinien – Bewerten Sie NIAS (Non-Intentionally Added Substances = nicht absichtlich zugesetzte Substanzen) | Befolgen Sie die EuPIA-Richtlinien. Dokumentieren Sie alle Risikobewertungen und Testergebnisse. |
| 3. Konformitätserklärungen (Declarations of Compliance, DoC) | Holen Sie detaillierte Zusammensetzungserklärungen von Ihren Lieferanten ein. | Spezifizieren Sie Druckfarben und Tinten, die von Grund auf sicher entwickelt wurden, nicht nur solche, die Tests bestehen. Führen Sie Aufzeichnungen für Audits. |
| 4. Übergangszeit-Management | Verfolgen und schrittweise Ausmustern von nicht konformen Beständen: – Vorhandene Lagerbestände an bedruckten Materialien und Druckfarben/Tinten: Verkauf bis zum 31. Dezember 2026 – Pigmentbasierte Druckfarben/Tinten: Erlaubt bis zum 31. Dezember 2026 | Planen Sie Ihre Bestände und stellen Sie rechtzeitig vor den Fristen auf konforme Druckfarben um. |
| 5. Funktionale Barrieren und Ausnahmen | Identifizieren Sie Lebensmittelkontaktmaterialien (FCMs) mit effektiven funktionalen Barrieren und wenden Sie Ausnahmen an, wo sie gerechtfertigt sind. | Im Zweifelsfall behandeln Sie alle Druckfarben wie Materialien mit direktem Lebensmittelkontakt, um Risiken zu minimieren. |
“Für viele Hersteller ist die GIO mehr als nur ein regulatorischer Wandel; sie bietet die Chance, ihre Verpackungsprozesse zu modernisieren und durch Transparenz sowie sicherere Materialien mehr Vertrauen aufzubauen.”

Wie Videojet Herstellern hilft, die Anforderungen der Verordnung zu erfüllen
- Konforme Tintenlösungen: Videojet bietet ein Portfolio an Tinten, die speziell für Lebensmittelverpackungen entwickelt wurden und darauf ausgelegt sind, regulatorische Standards zu erfüllen oder zu übertreffen. Unsere F&E-Teams arbeiten proaktiv daran, sicherzustellen, dass unsere Tinten mit der Positivliste übereinstimmen und auditbereit sind
- Dokumentation und Rückverfolgbarkeit: Videojet stellt umfassende Dokumentationen bereit, um die Compliance-Bemühungen der Kunden zu unterstützen.
- Expertenberatung: Die Regulierungs-Experten von Videojet sind stets über sich ändernde Anforderungen informiert und beraten Kunden zu Best Practices für Compliance, Risikobewertung und Auditvorbereitung.
- Flexible Integration: Die Kennzeichnungssysteme von Videojet lassen sich nahtlos in bestehende Verpackungslinien integrieren und unterstützen dabei hohe Durchsatzgeschwindigkeiten sowie eine zuverlässige Druckqualität.
- Fortlaufende Unterstützung: Während sich der regulatorische Rahmen weiterentwickelt, bleibt Videojet ein zuverlässiger Partner. Wir aktualisieren unsere Tintenformulierungen und Dokumentationen nach Bedarf.
Fazit: Bereit für die Einhaltung der GIO, bereit für die Zukunft
Die Deutsche Druckfarbenverordnung stellt eine bedeutende regulatorische Herausforderung für Unternehmen der Lebensmittelverpackungsbranche dar, bietet jedoch zugleich die Chance, das Vertrauen der Verbraucher zu stärken und die Transparenz in der Lieferkette zu erhöhen. Mit kontinuierlicher Unterstützung in einem sich wandelnden regulatorischen Umfeld hilft Videojet Herstellern, heute konform zu bleiben und sich für die Zukunft zu rüsten.

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Quellen: