
Melissa Bosnyak
Juni 2025
Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, an der Veranstaltung „SPC Impact“ der Sustainable Packaging Coalition in Seattle teilzunehmen. Über 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Verpackungsindustrie, dem öffentlichen Sektor und der Wissenschaft kamen zusammen, um das diesjährige Leitthema zu beleuchten: gemeinsames Handeln besser aufeinander abstimmen. Die Veranstaltung war nicht nur aufgrund ihrer Größe bemerkenswert, sondern auch, weil sie sowohl SPC-Mitgliedern als auch Nicht-Mitgliedern offenstand – und damit eine besondere Plattform für Austausch und Zusammenarbeit bot.
Beim Verlassen der Konferenz war ich spürbar inspiriert vom gemeinsamen Engagement, die Verpackungswelt nachhaltiger zu gestalten. Trotz Deregulierung auf Bundesebene und bestehender Unsicherheiten war der Wille zur Kreislaufwirtschaft deutlich spürbar und stärker denn je. Die Veranstaltung war ausgebucht und die Atmosphäre vor Ort zeigte klar, dass die Branche bereit ist, die bevorstehenden Herausforderungen anzupacken. Besonders beeindruckt hat mich die Vielfalt der Teilnehmenden, von Rohstofflieferanten bis hin zu Betreibern von Recyclinganlagen. Sie verdeutlicht, wie eng die einzelnen Glieder der Verpackungswertschöpfungskette miteinander verbunden sind.
Eine neue Wertschätzung für Verpackungen
Bereits vor meiner Teilnahme an SPC Impact war mir bewusst, wie komplex das Thema Verpackung ist. Durch die Veranstaltung habe ich jedoch noch mehr Respekt für die vielschichtigen Prozesse und Partnerschaften gewonnen, die Innovationen in diesem Bereich überhaupt erst ermöglichen. Wenn Unternehmen wie Unilever über den Wechsel von HDPE zu PET mit Schrumpfetiketten berichten oder Amazon direkt befüllbare Verpackungslösungen zur Abfallvermeidung vorstellt, wird deutlich, wie dynamisch und kooperativ die Branche agiert.
Verpackung mag für viele Verbraucher nebensächlich erscheinen, doch ihre Entwicklung erfordert ein fein austariertes Zusammenspiel aus Nachhaltigkeit, Funktionalität und Innovationskraft. Die Gespräche bei SPC Impact haben gezeigt, wie wichtig es ist, die Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu stärken, um tragfähige und skalierbare Lösungen zu schaffen.
Zentrale Themen im Fokus
In den Vorträgen und Gesprächen kristallisierten sich mehrere zentrale Themen heraus. Besonders prägend waren für mich folgende Punkte:
- Extended Producer Responsibility (EPR), auf Deutsch „Erweiterte Herstellerverantwortung“, ist keine Zukunftsvision. Sie ist längst Realität.
- Wir stehen an einem Wendepunkt in Sachen Klimaschutz
- Nachhaltigkeit ist kein Ziel, sondern ein kontinuierlicher Prozess
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EPR: Jetzt ist der Moment zu handeln
Lange Zeit schien die erweiterte Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, kurz EPR) in den USA eher ein langfristiges Ziel zu sein. Doch diese Sichtweise hat sich grundlegend geändert. Seit Maine und Oregon 2021 die ersten EPR-Gesetze verabschiedet haben, ist das Thema Realität geworden. In Oregon ist die erste Frist bereits verstrichen: Bis zum 31. März 2025 mussten Hersteller sich bei der Circular Action Alliance (CAA) registrieren. Für viele Unternehmen bedeutete das einen Wettlauf mit der Zeit, um wichtige Daten wie Materialzusammensetzung, Verkaufsvolumen und weitere Informationen zusammenzutragen.
Aus den Diskussionen wurde deutlich, dass selbst große und gut aufgestellte Marken mit Herausforderungen konfrontiert sind.
Besonders wertvoll waren die Beiträge internationaler Referentinnen und Referenten, die bereits Erfahrungen mit EPR in Kanada und Europa gesammelt haben. Ihre Einblicke haben gezeigt, wie entscheidend verlässliche Datengrundlagen sind – und wie wichtig es ist, verschiedene Regelwerke effizient zu managen. Unternehmen können von diesen Erfahrungen profitieren und typische Anfangsfehler vermeiden.
Einige Unternehmen entscheiden sich bewusst dafür, abzuwarten und ihre Pflichten zunächst nicht zu erfüllen. Doch wie Jeff Fielkow, CEO der Circular Action Alliance (CAA), betonte, führt Zögern nur zu höheren Kosten und Risiken. Wer die Umsetzung aufschiebt, muss mit rückwirkenden Gebühren und zusätzlichen finanziellen Belastungen rechnen.
Für Unternehmen, die von EPR betroffen sind und sich einen fundierten Überblick verschaffen möchten, ist die SPC EPR Policy Collaborative eine klare Empfehlung. Diese branchenübergreifende Initiative bietet wertvolle Ressourcen, um auf dem Laufenden zu bleiben und sich gezielt auf die Veränderungen vorzubereiten.
Der Wendepunkt: Jetzt handeln oder den Anschluss verlieren
Keynote-Speakerin Solitaire Townsend, Mitgründerin der Agentur Futerra, brachte eine eindrückliche Botschaft zum aktuellen Stand der Klimaschutzmaßnahmen mit. Sie zeigte ein Bild – ähnlich dem unten stehenden –, das verdeutlicht, wie sich unsere Erwartungen an den Klimaschutz von der tatsächlichen Entwicklung unterscheiden. Während der Fortschritt in den vergangenen Jahrzehnten eher langsam und schrittweise verlief, sehen wir in den letzten Jahren eine deutliche Beschleunigung.
Ihre Kernbotschaft war unmissverständlich: Wir stehen an einem entscheidenden Punkt. Durch technologische Sprünge und neue Innovationskraft verändert sich die Verpackungsbranche rasant. Unternehmen, die jetzt nicht reagieren, laufen Gefahr, den Anschluss zu verlieren..

Paul Nowak, Executive Director von GreenBlue, unterstrich diese Botschaft und erinnerte uns daran, dass die heutige Generation mehr von uns erwartet. Er forderte die Teilnehmenden dazu auf, bewusst neue Perspektiven einzunehmen und sich in Bereiche einzubringen, die außerhalb ihres gewohnten Umfelds liegen.
Diese Aufforderung hat mich persönlich besonders angesprochen – es reicht nicht, den Status quo zu verwalten. Wir müssen Grenzen verschieben und aktiv nach neuen Lösungen suchen, um relevant zu bleiben und echten Wandel zu bewirken.
Nachhaltigkeit: Ein Weg, kein Ziel
Eine der zentralen Erkenntnisse von SPC Impact war die Erinnerung daran, dass nachhaltige Verpackung kein abgeschlossenes Projekt ist, sondern ein fortlaufender Prozess. Es gibt keine Standardlösung, und die Branche wird niemals einen festen Endpunkt erreichen. So herausfordernd diese Komplexität auch sein mag, sie eröffnet Raum für Zusammenarbeit, Innovation und kontinuierliche Weiterentwicklung.
Ein Beispiel: Der Umstieg von Styropor-Kaffeebechern auf papierbasierte Alternativen vor rund zehn Jahren galt damals als großer Fortschritt in Sachen Nachhaltigkeit. Heute wissen wir, dass viele dieser Papierbecher schwer recycelbar sind – und genau das zwingt die Branche, bestehende Lösungen neu zu denken. Die Erkenntnis dahinter: Was gestern als Fortschritt galt, genügt morgen womöglich nicht mehr. Und das ist in Ordnung. Nachhaltige Verpackung entwickelt sich stetig weiter – im Einklang mit technischen Möglichkeiten, veränderten Verbraucherbedürfnissen und neuen Anforderungen an die Recyclinginfrastruktur.
Starbucks ist ein gutes Beispiel für diesen iterativen Ansatz. Amelia Landers, Vice President Product Experience Innovation bei Starbucks, berichtete, wie ihr Team sich konsequent an einem Prinzip orientiert: „immer den nächsten richtigen Schritt gehen“. Ein konkretes Beispiel: Nachdem das Unternehmen festgestellt hatte, dass rund 10 Prozent des täglichen Verpackungsvolumens durch internen Gebrauch entsteht, stellte man allen Mitarbeitenden wiederverwendbare Becher zur Verfügung. Eine einfache Maßnahme mit großer Wirkung – im Einklang mit den umfassenderen Nachhaltigkeitszielen.
Wie Amelia treffend sagte: „Nachhaltigkeit bei Starbucks ist kein geschütztes Know-how.“ Ihre Erfolge versteht das Unternehmen als Fortschritte für die gesamte Branche – ganz im Sinne von harmonisiertem Handeln.
Kennzeichnung: Ein entscheidendes Element im Nachhaltigkeitspuzzle
Als jemand, der sich intensiv mit Kennzeichnungs- und Codierlösungen beschäftigt, habe ich den Austausch über deren Bedeutung für nachhaltige Verpackungen besonders geschätzt. Auch wenn die Kennzeichnung bei Verpackungsumstellungen nicht immer im Vordergrund steht, spielt sie eine zentrale Rolle – insbesondere wenn es um gesetzliche Vorgaben, Rückverfolgbarkeit und Funktionalität geht.
Gerade beim Umstieg auf neue Materialien stoßen viele Marken auf Herausforderungen, die die Leistung ihrer bisherigen Kennzeichnungslösungen beeinträchtigen können. Papierbasierte Folien zum Beispiel reagieren häufig anders auf Codiersysteme als herkömmliche mehrlagige Kunststoffverbunde. In solchen Fällen ist es entscheidend, verschiedene Tinten, Einstellungen oder sogar alternative Technologien zu testen, um die passende Lösung zu finden.
Mein Rat an Marken: Binden Sie Ihre Partner für Kennzeichnung und Codierung so früh wie möglich in Materialänderungen ein. So lassen sich potenzielle Hürden frühzeitig erkennen und gezielt angehen, was einen reibungsloseren Übergang ermöglicht und kostspielige Verzögerungen vermeidet.
Mein persönliches Fazit

Als ich SPC Impact verließ, war ich voller Energie und inspiriert vom gemeinsamen Engagement der Branche für mehr Nachhaltigkeit. Die Veranstaltung hat deutlich gemacht, dass nachhaltige Verpackung kein festes Ziel ist, sondern ein kontinuierlicher Prozess, der Zusammenarbeit, Innovationskraft und Ausdauer verlangt.
Ganz gleich, ob es um die Umsetzung von EPR-Vorgaben geht, um Klimaschutz durch neue Technologien oder darum, etablierte Verpackungslösungen neu zu denken – jetzt ist der richtige Zeitpunkt zu handeln. Besonders im Kopf geblieben ist mir die Aussage von Solitaire Townsend zum Wendepunkt: Die Dynamik nimmt zu und lässt sich nicht mehr aufhalten.
Für mich war SPC Impact weit mehr als eine Fachveranstaltung. Es war eine eindrucksvolle Erinnerung daran, warum wir jeden Tag an besseren Lösungen arbeiten. Als Branche bündeln wir unsere Kräfte, um eine nachhaltigere Zukunft möglich zu machen.
Melissa Bosnyak engagiert sich maßgeblich in der Fachgemeinschaft für nachhaltige Verpackungen. In ihrer Rolle bei Videojet verantwortet sie Programme, die Kunden dabei unterstützen, nachhaltige Verpackungsstrategien umzusetzen. Dabei liegt ihr Fokus auf Lösungen, die nicht nur aktuelle gesetzliche Anforderungen erfüllen, sondern auch flexibel genug sind, um künftigen Standards gerecht zu werden. Ihr tiefes Verständnis für die sich dynamisch entwickelnde Nachhaltigkeitslandschaft sowie ihre konsequente Innovationsorientierung machen sie zu einer wertvollen Impulsgeberin für die Weiterentwicklung des Videojet-Portfolios. Ihr Ziel ist es, Kunden dabei zu helfen, ihre Umweltziele zuverlässig und effizient zu erreichen.